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Neembaum

 

 

Neembaum Azadirachta indica

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Neem

 

zusammengestellt und bearbeitet von:

Stefan Kühne, Britta Friedrich - JKI, Institut für Strategien und Folgenabschätzung, Kleinmachnow

 

Stammpflanze:

Azadirachta indica

Herkunft:

Der tropische Niembaum (engl. neem) ist in Asien, Afrika und Amerika verbreitet.

Inhaltsstoffe:

Wichtigster Bestandteil ist das Triterpenoid Azadirachtin.

Verwendung:

Neembaumextrakte können als natürlicher Fraßhemmer und Insektizid im Pflanzenschutz eingesetzt werden. Neem wird auch im Vorratsschutz als vielversprechender Naturstoff angesehen (NEEB, 1986).
Neempreßkuchen und Neemblattpulver eignen sich auch zur Düngung von Gemüse. Neemöl wird in Indien zur Seifenherstellung verwendet, es eignet sich überdies zur Fabrikation von Kerzen. Neemkuchen in Kombination mit Harnstoff wurde in Reisfeldern Indiens erfolgreich getestet (KETKAR 1984); Neemextrakt hat indirekte Wirkung auf erhöhte Stickstoffixierung in Reisfeldern aufgrund der Bekämpfung algenfressender Crustaceen (GRANT et al. 1984).

Anwendung entsprechend:

EG-Verordnung 889/2008

Insektizide Wirkung

Die fraßabschreckende Wirkung der Neeminhaltsstoffe ist der bäuerlichen Bevölkerung in Teilen Asiens und Afrikas schon seit längerem bekannt. Zu Beginn der siebziger Jahre wurde festgestellt, daß sie auch Einfluß auf die Insektenmetamorphose haben können, wie z.B. Häutungsstörungen oder das Entstehen verkrüppelter Flügel. Auch die Fortpflanzung von Schadinsekten kann stark gestört werden. So belief sich die Zahl der abgelegten Eier von Kartoffelkäferweibchen, die an mit Neemsamenextrakt behandelten Blättern gefressen hatten, nur auf ca. 10% der von nicht behandelten Käfern erzeugten. Auch die "Qualität" (Leistungsfähigkeit) von Schädlingen kann beeinflußt werden. Azadirachtin baut sich unter Freilandbedingungen schnell ab. Wegen fehlender UV-Einstrahlung sind Neemprodukte unter Labor- und Vorratslagerbedingungen viel haltbarer als im Freien. Bei Anwendung von Neemöl (2-4 ml/kg Samen) lassen sich Bohnensamen über ein halbes Jahr erfolgreich gegen Samenkäfer schützen (SCHMUTTERER, 1984). In verschiedenen Detail- und Praxisversuchen konnte die gute Wirkung von NeemAzal-Präparaten auf die Mehlige Apfelblattlaus nachgewiesen werden (SCHULZ et al., 1993, 1995, 1996, 1997; GALLI & EPP, 1998; KIENZLE et al., 1992, 1995; ZUBER, 1995; PFEIFFER et al., 1991; ZEBITZ et al., 1996; WYSS et al., 1995).

Insektizide Zubereitungen

SCHMUTTERER (1984): Eine sehr einfache Möglichkeit der praktischen Anwendung liegt in der Verwendung wäßriger Extrakte aus den Samen. Aus den zu Boden gefallenen Früchten werden die von einer weißhäutigen Schale umgebenen Kerne durch Herausdrücken gewonnen und gewaschen. Danach müssen sie sorgfältig getrocknet werden, um Verpilzung zu vermeiden. Später kann je nach Bedarf zur Herstellung einfacher Wasserextrakte eine bestimmte Menge Samen ausgekernt und zerkleinert (zermahlen, zerstoßen) werden. Bei guter Qualität erübrigt sich das Auskernen und die Schalen können mit zermahlen werden. Die zerkleinerten Samen werden in einem Tuch in ein teilweise mit Wasser gefülltes Gefäß gehängt, wobei sich die Wassermenge nach dem Gewicht der zerkleinerten Samen richtet. 25-50 g Samenmaterial ergeben pro Liter Wasser schon am nächsten Tag einen Extrakt, der gegen Kohlmotte, Melonenkäfer und Zwergzikaden sehr gute Bekämpfungs-ergebnisse liefert. Auch alkoholische Extrakte sind leicht herstellbar, wobei in der Regel Methanol wegen des Preises und geringerer Explosionsgefahr zur Verwendung kommt. Methanolextrakte halten sich nach Verdampfen des Alkohols unter Laborbedingungen monatelang und verlieren dabei nicht an Wirkung. Neemöl läßt sich durch Auspressen ganzer oder zermahlener Samenkerne gewinnen, da diese ca. 40% Öl enthalten.

Wirkung auf Nützlinge

Gegen viele Nützlinge wie parasitische Hautflügler und die Honigbiene zeigen Neemprodukte keine oder nur geringe Wirkung. Bei der Honigbiene traten in Flugkäfigversuchen nur in Kleinstvölkchen, wie sie zur Königinnenzucht Verwendung finden, Schädigungen bei der Brut in Erscheinung, während bei 3-Waben-Völkchen mit schätzungsweise etwa 1500-2000 Arbeitsbienen keinerlei negative Beeinflussung nachweisbar war (SCHMUTTERER & HOLST, 1987).
Untersuchungen zur Nebenwirkung auf die Florfliege Chrysoperla carnea zeigten im Laborversuch eine repellente Wirkung auf die Larven und eine hohe Mortalität bei Kontakt mit frischem Spritzbelag. Unter Freilandbedingungen schädigte NeemAzal-T/S die Larven nicht (VOGT & HÄNDEL, 1996). Zum selben Ergebnis kamen auch HERMANN et al. (1995, 1996).
Neemextrakte erwiesen sich als harmlos gegenüber der Kohlweißlingsbrackwespe Apanteles glomeratus (SCHMUTTERER, 1992). Im Freiland ist generell eine nur geringe bis keine Schädigung von Nützlingen zu erwarten. Gründe hierfür sind z. B. Witterungseinflüsse, die den schnelleren Abbau des Präparates bewirken (Temperaturschwankungen, UV-Strahlung, niederschläge) oder das Vorhandensein nicht oder unzureichend behandelter Refugien, in denen sich Nützlinge zeitweise aufhalten (HERMANN et al., 1998)

 

 

Literatur:

  1. GALLI, P., EPP, P. (1998): Zweijährige Versuchsergebnisse mit NeemAzal-T/S in Apfelanlagen. Biologische Pflanzenschutzverfahren im Erwerbsobstbau – Praxis, Beratung und Forschung im Gespräch, Dokumentation der Fachtagung vom 9. Und 10. März 1998 an der Universität Hohenheim, Hrsg. Kienzle, J., Zebitz, C.P.W., 275 S.
  2. HERMANN, P., ZEBITZ, C.P.W., KIENZLE, J. (1995): Wirkung verschiedener NeemAzal-Formulierungen auf die Larven der Florfliege Chrysoperla carnea in Labor und Halbfreiland. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.
  3. HERMANN, P., ZEBITZ, C.P.W. (1996): Zur Wirkung von NeemAzal-Formulierungen auf die Florfliege Chrysoperla carnea und andere Nutzarthropoden. Mitt. A. d. Biol. Bundesanst., H. 321, S. 427
  4. HERMANN, P., ZEBITZ, C.P.W., KIENZLE, J. (1998): Nebenwirkungen von NeemAzal-T/S auf Nützlinge. Biologische Pflanzenschutzverfahren im Erwerbsobstbau – Praxis, Beratung und Forschung im Gespräch, Dokumentation der Fachtagung vom 9. Und 10. März 1998 an der Universität Hohenheim, Hrsg. Kienzle, J., Zebitz, C.P.W., 275 S.
  5. KETKAR, C. M. (1984): Crop experiments to increase the efficency of urea fertilizer nitrogen by the use of neem by-products under indian soil conditions. Proceedings of the 2nd Int. Neem Conf., Rauischholzhausen 1983, 507-518
  6. KIENZLE, J., SCHULZ, C., STRAUB, M., SCHMITT, A., WEIL, B. (1992): Einsatz von Neemprodukten zur Regulierung der Mehligen Apfelblattlaus Dysaphis plantaginea. 5. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 19.-20.11.1992, Weinsberg, 133 S.
  7. KIENZLE, J., SCHULZ, C., ZEBITZ, C.P.W. (1995): Zweijährige Erfahrungen mit dem Einsatz von NeemAzal in Ökologisch wirtschaftenden Obstbaubetrieben. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.
  8. KREUTER, M.-L. (1990): Pflanzenschutz im Bio-Garten. BLV, München Wien Zürich, 249 S.
  9. NEEB, U. (1986): Pflanzliche Naturstoffe im Vorratsschutz. Der praktische Schädlingsbekämpfer, 5, 89-92
  10. PFEIFFER, B., GERLACH, W., STRAUB, M., KIENZLE, J. (1991): Erste Ergebnisse eines Versuchs mit Pflanzenstärkungsmitteln an der Apfelsorte "Glockenapfel" 1991. 4. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 05. und 06.12.1991, Weinsberg, 119 S.
  11. SCHMUTTERER, H. (1984): Pflanzenextrakte als umweltschonende Bekämpfungsmittel gegen Schadinsekten. Gesunde Pflanzen, 36, 254-261
  12. SCHMUTTERER, H., HOLST, H. (1987): Untersuchungen über die Wirkung des angereicherten und formulierten Niemsamenextrakts AZT-VR-K auf die Honigbiene Apis mellifera. J. Appl. Ent. 103, 208-213
  13. SCHMUTTERER, H. (1992): Einfluß von Azadirachtin, einer azadirachtinfreien Fraktion eines alkoholischen Neemsamenextraktes und von formulierten Extrakten auf Verpuppung, Schlupf und Imagines der Kohlweißlingsbrackwespe Apanteles glomeratus. J. Appl. Ent. 113 (1992), 79-87
  14. SCHULZ, C., KIENZLE, J., SCHMITT, A., WEIL, B. (1993): Neemprodukte zur Regulierung der Mehligen Apfelblattlaus. 6. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 18. und 19.11.1993, Weinsberg, 197 S.
  15. SCHULZ, C., KIENZLE, J., ZEBITZ, C.P.W. (1995): Wirkung von NeemAzal-Formulierungen auf Apfelblattläuse. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.
  16. SCHULZ, C., KIENZLE, J., ZEBITZ, C.P.W. (1995): Auswirkungen verschiedener NeemAzal-Formulierungen auf A. fabae und die Mehlige Apfelblattlaus. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.
  17. SCHULZ, C., KIENZLE, J., ZEBITZ, C.P.W. (1996): Zur Wirkung von NeemAzal-Formulierungen auf Blattläuse am Apfel. Mitt. a. d. Biol. Bundesanst., H. 321, S. 426
  18. SCHULZ, C., KIENZLE, J., ZEBITZ, C.P.W. (1997): Optimierung der Anwendung von NeemAzal-T/S zur Regulierung der Mehligen Apfelblattlaus. 8. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 13.-14.11.1997, Weinsberg, 159 S.
  19. WYSS, E., HÄSELI, A., WEIBEL, F. (1995): Resultate der kurz-, mittel-, und langfristigen Massnahmen zur Regulierung der Apfelblattläuse. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.
  20. VOGT, H., HÄNDEL, U. (1996): Zur Wirksamkeit und Selektivität von Neem-Produkten im Obstbau. Mitt. a. d. Biol. Bundesanst., H. 321, S. 420
  21. ZEBITZ, C.P.W. et al. (1996): Regulierung von Schädlingen im Obstbau mit NeemAzal-T/S. Mitt. a. d. Biol. Bundesanst., H. 321, S. 418
  22. ZUBER, M. (1995): Zum Einsatz von NeemAzal-T und NeemAzal-T/S zur Blattlausbekämpfung in Schweizer Bio-Obstanlagen. 7. Intern. Erfahrungsaust. Über Forschungsergebnisse zum Ökol. Obstbau, Beitr. zur Tagung vom 14.-15.12.1995, Weinsberg, 179 S.


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