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Quassia

 

 

Wirkstoffe

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Quassia-Bitterholz

 

zusammengestellt und bearbeitet von:


Dr. habil. Stefan Kühne, Britta Friedrich Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz, Kleinmachnow

 

 

Stammpflanze:

Quassia amara L. (Surinam-Bitterholz), Simaroubaceae
Picrasama excelsa (Schwarz) Planch. (Jamaika-Bitterholz), Simaroubaceae

Synonyme:

Quassiaholz, Fliegenholz (deutsch)
Bitter wood, Quassia wood (engl.)
Bois de quassia, Bois amer (franz.)

Herkunft:

Surinam-Bitterholz: Guayana, Kolumbien, Panama und Argentinien
Jamaika-Bitterholz: Kleine Antillen, Karibische Inseln, Nord-Venezuela

Inhaltsstoffe:

Quassin, Neoquasssin, 18-Hydroxyquasssin (HAGER 1977 in WICHTL 1997)
0,05 bis über 0,2 % Bitterstoffe vom Typ der Seco-Triterpene
drei b-Carbolin-Alkaloide (BARBETTI et al. 1987 in WICHTL 1997)
durchschnittlich sind im Trockengewicht des Holzes von Q. amara 0,12 % (0,1 – 0,14 %) Quassin enthalten (EVANS & RAJ 1991)

Anwendung entsprechend:

EG-Verordnung 889/2008

Liste nach § 6a Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Buchstabe b des Pflanzenschutzgesetzes zur Selbstherstellung von Pflanzenschutzmitteln

Verwendung:

Insektizid: Fraß- und Kontaktgift speziell gegen Blattläuse, Sägewespen, Wicklerraupen (EGGLER & GROß 1996), Kartoffelkäfer (HÖHN et al. 1996), Apfelblütenstecher (EGGLER et al. 1992), Kirschfruchtfliege (GROß & EGGLER 1993).
Phytopharmaka: verdauungsfördernd, appetitanregend, Quassin ist parenteral verabreicht toxisch, führt zur Senkung der Herzfrequenz, zu Muskelzittern und zu Lähmungen (FALBE 1995). Ist Bestandteil einiger Fertigarzneimittel (WICHTL 1997). Wegen seiner kontrahierenden Wirkung auf Organe mit glatter Muskulatur ist Quassiaholz während der Schwangerschaft kontraindizierend (ROTH et al. 1994). Eine Wirkung gegen Plasmodium falciparum (Erreger der Malaria-Krankheit) konnte festgestellt werden (KIRBY et al. 1989).
Lebensmittelbereich: Bitterstoff, nach der Aromen-VO dürfen Trinkbranntweine bis zu 50 mg / l Quassin als Amarum enthalten (FUGMANN 1997). Quassiaholz besitzt einen Bitterwert von 1:40.000 bis 1:50.000 (ROTH et al. 1994).

Insektizide Wirkung

Mit dem Pflanzenschutzmittel »Quassin« und »Quassan« (die beiden Produkte sind identisch), welche in der Schweiz zugelassen sind, liegt erstmals eine stabile und standardisierte Formulierung vor, die während mehrerer Jahre an verschiedenen Orten gegen Apfel- und Pflaumensägewespen geprüft wurde. Bei richtigem Einsatz auf frisch geschlüpfte Larven (sofort nach dem Abblühen) wurden gute Wirkungen, vergleichbar mit Diazinon, erzielt. Bei frühem Einsatz während der Eiablage (Vollblüte) war die Wirkung hingegen ungenügend. Resultate gegen Blattläuse fielen je nach Art und Behandlungszeitpunkt unterschiedlich aus. Die Entwicklung der Mehligen Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea) wurde zwar gehemmt, die Wirkung war aber nicht ausreichend. Gegen die Grüne Apfelblattlaus (Aphis pomi) wurde in Gewächshausversuchen eine etwas langsame, aber gute Wirkung erzielt.

In der Schweiz konnte aufgrund dieser Resultate und der geringen Nützlingsschädigung, für den Nachblüteeinsatz im Obstbau gegen Sägewespen mit Teilwirkung auf Blattläuse, eine Bewilligung erteilt werden (HÖHN et al. 1996). Untersuchune von EGGLER et al. (1992) zeigen gegen den Apfelblütenstecher Wirkungsgrade von durchschnittlich 60 %, gegen die Apfelsägewespe (eine Behandlung zum Schlupf der Larven Anfang bis Mitte Mai) von 70%. Gegen die Kirschfruchtfliege konnten bei 2 – 3 Behandlungen im Abstand von 7 – 10 Tagen Wirkungsgrade zwischen 50 % und 100% erzielt werden.
DAIDO et al. (1993) untersuchten die Fraßhemmung und insektizide Wirkung von 16 unterschiedlichen Quassioniden, isoliert aus Picrasma ailanthoides gegen die Kohlmotte (Plutella yxylostella- 3. Larvenstadium) im Vergleich zu einem bekannten Fraßhemmer (chlordimeform). Die insektizide Wirkung von Quassin war höher. Unterschiede in der Fraßhemmung zum Referenzstoff konnten nicht festgestellt werden. Durch den Vergleich der verschiedenen Strukturformeln konnten jeweils für die Fraßhemmung und insektizide Wirkung unterschiedliche Strukturverbindungen indentifiziert werden.

Insektizide Zubereitungen

Quassia-Bitterholz findet als Spritzbrühe Verwendung. 150 g – 250 g Bitterholz werden mit 2 l Wasser übergossen. Dieser Ansatz bleibt 24 h stehen und wird danach eine halbe Stunde kräftig gekocht. Die fertig ausgekochte Bitterholz-Brühe wird mit 10 bis 20 Liter Wasser verdünnt. Die Quassia-Brühe soll sich vom Frühjahr bis zum Herbst halten. Das Bitterholz kann nach dem Kochen wieder getrocknet werden und 2 bis 3 mal weiter verwendet werden (KREUTER 1995). SCHMID & HENGGELER (1989) empfehlen 150 g Quassiaholz / 2 l Wasser eventuell mit 250 g Schmierseife in 10 l Wasser verdünnt.

Wirkung auf Nützlinge

Von HÖHN et al. (1996) wird aufgrund des engen Wirkungsspektrums der Einfluß auf die meisten Nützlinge als relativ gering bewertet. Raubmilben werden kaum reduziert und auch für Bienen ist es ungefährlich. Prüfungen haben ergeben, das Quassinextrakte nicht bienengefährlich sind (EGGLER et al. 1992). Nebenwirkungen auf Nützlinge (Honigbiene, Raubmilben, Marienkäfer, Florfliegen und Wanzen konnten nicht festgestellt werden (EGGLER & GROß 1996).

Wirkung auf Wasserorganismen

Die Wirkung von Quassin auf verschiedene Wasserorganismen ist in der Tabelle 1 veranschaulicht. Es wird eine selektive Toxizität des Quassins gegenüber Mückenlarven deutlich, wobei nur die Larven bei 6 ppm 100 % Mortalität zeigen. Quassin mit einer Konzentration von 30 ppm hatte keine Effekte auf die Puppen der Stechmücken (EVANS & RAJ 1991b). Andere Wasserorganismen zeigen erst bei wesentlich höheren Konzentrationen Mortalitäten. Die Autoren konnten ebenfalls in ihren Untersuchungen darstellen, daß der Zahnkarpfen Aploecheilus blochii sogar nach drei Tagen bei einer Konzentration von 6 ppm Quassin keine sichtbaren Beeinträchtigungen zeigte (EVANS & RAJ 1991b).
Untersuchungen der Wirkung von Quassin auf den Salinen Krebs (Artemia salina) zeigte eine LC 50 erst bei mehr als 400 ppm (SOLIS et al. 1993).

 

 

Tab.1:100%ige Mortalität für verschiedene Wasserorganismen durch Quassin in ppm (EVANS & RAJ 1991a)

 

Organismus

Quassin (ppm)

 

Anm. Kühne

 

Culex quinquefasciatus

Stechmücke, brown house mosquito

6

Aedes aegypti

Stechmücke, dengue mosquito

6

Armigeres subalbatus

Stechmücke

12

Dytiscus sp.

Schwimmkäfer

35

Neurobasis sp.

mglw. Neurobezzia Bartmücken

50

Libellula sp.

Libellen

50

Ranatra sordidula

Skorbionswanze

40

Nepa cineraria

Skorbionswanze

45

Bufo melanostictus

Kröte

40

Rana hexadactyla

Sechszehenfrosch

45

 

Literatur:

  1. DAIDO, M.; FUKAMIYA, N.; OKANO, M.; TAGAHARA, K.; HATAKOSHI, M.; YAMAZAKI,H. (1993): Antifeedant and insecticidal activity of Quassionids against Diamondback Moth (Plutella xylostella). Biosci. Biotech. Biochem., 57, 2, 244-246
  2. EGGLER, B.D.; GROß, A. (1996): Quassia-Extrakt; neue Erkenntnisse bei der Regulierung von Schaderregern im Obstbau. Mitt. d. Biol. Bundesanst., 321, 425
  3. EGGLER, B.D.; GROß, A.; TRAUTMANN, M. (1992): Biologisch aktive Pflanzenauszüge; eine natürliche Alternative bei der Behandlung von Schaderregern im Obstbau. 5. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 19. und 20.11.1992, Hrsg. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau, Baden-Württemberg, Ministerium für ländlichen Raum, Landwirtschaft und Forsten, 28
  4. EVANS, D.A.; RAJ, R. K. (1991a): Quassin: A mosquito larvicide with selective toxicity. J. Ecotoxicol. Environ. Monit., 1, 4, 243-249
  5. EVANS, D.A.; RAJ, R. K. (1991b): Larvicidal efficacy of Quassin against Culex quinquefasciatus. Indian J. Med. Res. Section A, 93, 9, 324-327
  6. FALBE, J.; REGITZ, M. (1995): RÖMPP Chemielexikon. 9, Stuttgart New York, 5314 S.
  7. FUGMANN, B. (1997): RÖMPP Lexikon Naturstoffe. 10, Stuttgart New York, 735 S.
  8. GARCIA GONZALES, G. et al. (1997): Pharmacologic activity of the aqueous wood extract from Quassia amara (Simarubaceae) on albino rats and mice. Rev. Biol. Trop., 44-45:47-50
  9. GROß, A., EGGLER, B.D. (1993): Möglichkeiten zur vorbeugenden Behandlung gegen die Kirschfruchtfliege mit Quassia amara. 6. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 18 und 19.11.1993, Hrsg. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau, Baden-Württemberg, Ministerium für ländlichen Raum, Landwirtschaft und Forsten, 50
  10. HÖHN, H.; HÖPLI, H. U.; GRAF, B. (1996): Quassia und Neem: exotische Insektizide im Obstbau. Schweiz. Z. Obst-Weinbau, 3, 62-63
  11. KIRBY, G. C.; O`NEILL, M. J.; PHILIPSON, J. D.; WARHURST, D. C. (1998): In vitro studies on the mode of action of quassioids with activity against chloroquine-resistant Plasmodium falciparum. Biochemical Pharmacology, 38,24, 4367-4374
  12. KREUTER, M.-L. (1988): Biologischer Pflanzenschutz. BLV, München Wien Zürich, 126 S.
  13. KREUTER, M.-L. (1995): Pflanzenschutz im Bio-Garten. BLV, München Wien Zürich, 249 S.
  14. RAJI, Y.; BOLARINWA, AF. (1997): Antifertility activity of Quassia amara in male rats: In vivo study. Life Sciences, 61, 11, 1067-1074
  15. ROTH, L. DAUNDERER, M.; KORMANN, K. (1994): Giftpflanzen – Pflanzengifte. Ecomed Verl. Ges. AG u. Co. KG, Landsberg, 4. Aufl., 1092 S.
  16. SCHMID, O., HENGGELER, S. (1989): Biologischer Pflanzenschutz im Garten. Stuttgart: Ulmer, 270 S.
  17. SWICHTL, M. (1997): Teedrogen. Stuttgart, 667 S.


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